Ein unmöglicher Briefwechsel

Bereichert wird der Abend durch einen fiktiven Briefwechsel zwischen Arnold Schönberg und Johannes Brahms: ebenso frei erfunden wie musikwissenschaftlich fundiert. Gelesen von der einzigartigen Kabarettistin Tina Teubner (Deutscher Kleinkunstpreis, Deutscher Kabarettpreis) – erhellend, erheiternd, bewegend.

Wenn Brahms („der Fortschrittliche“) und Schönberg („der konservative Revolutionär“) 50 Jahre lang über die Zeitgrenzen hinweg einen Dialog führen – wenn Brahms, zunächst amüsiert von seinem jungen, ungestümen Kollegen, sich später ausgerechnet von diesem erklären läßt, worin die Größe seiner Kunst besteht – wenn Schönberg, je älter er wird, immer mehr von seiner Überheblichkeit verliert und sich dem jenseitigen Brahms immer verwandter fühlt – wenn der so sehr auf seine Privatsphäre bedachte Brahms Schönberg schließlich erklärt: „Es gibt niemanden, mit dem ich mich so gerne mißverstehe, wie mit Dir!“ – dann entsteht nicht nur das Bild einer Künstlerfreundschaft, die es hätte geben müssen, wenn es sie hätte geben können – dann wird konkret spürbar, wie klein der Schritt von der Spätromantik zur frühen Moderne, von Brahms’ introvertiertem Spätwerk zu Schönbergs vermeintlichem Bruch mit der Tradition gewesen sein muß.

Ohne zu belehren und immer gewappnet mit dem für geistigen Tiefgang erforderlichen Humor, läßt dieser Briefwechsel eine Zeit lebendig werden, von der der Schönberg-Schüler Hanns Eisler sagt:

„Es ist die Musik des untergehenden Bürgertums.
Aber was für ein Abendrot!“



zurück ...